1. Lärm macht krank, das ist wissenschaftlich erwiesen. Aus diesem Grund hat der Bundesrat der Bundesrepublik Deutschland am 3.5.2013 die Abschaffung des sogenannten Schienenbonus beschlossen. Damit muss jedes Schienenbauvorhaben per se 5dB(a) leiser sein. Für den Lärm der „neuen Doppeltrasse“ müsste das auch gelten. Dies soll aber nicht berücksichtigt werden, sondern hier soll der Lärm auf Jahrzehnte haarscharf unter dem bisherigen gesetzlichen Maximum gerechnet werden. Dies schädigt die Lebensqualität und die Gesundheit der Bevölkerung. Das ist nicht akzeptabel!

2. Feinstäube werden in hohem Maße für die Verstärkung von Allergiesymptomen, die Zunahme von asthmatischen Anfällen, Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs sowie für ein gesteigertes Risiko von Mittelohrentzündungen bei Kindern verantwortlich gemacht. Die Erkenntnis, dass bei direkteinspritzenden Ottomotoren die Kraftstoffverbrauchseinsparung mit einer erheblichen Zunahme an Feinstaubausstoß einhergeht, sorgt für zusätzliche erhebliche Risiken. Hohe Feinstaubbelastungen sind bei einer Doppeltrasse direkt an Wohnquartieren nicht akzeptabel!

3. Stickoxide sind einer der gesundheitsgefährdenden Bestandteile der Verkehrsimmissionen, sowohl von LKW und PKW, als auch von Schiffsantrieben und Diesellokomotiven. In einem Beschluss vom 20.2.2013 rügt die Europäische Kommission explizit die Grenzwertüberschreitungen für Hamburg und stellt fest, dass die Grenzwerte weiterhin dauerhaft überschritten werden. Das Projekt „neue Doppeltrasse“ wird mehr Verkehre und damit mehr Stickoxide schaffen. Das ist nicht akzeptabel!

4. Sicherheit ist die Voraussetzung für jede Planung. Die Streckensicherheit der Planungen wurde weder einer Risikoanalyse unterzogen, noch gibt es die Absicht, diese und andere geeignete Untersuchungen anzustellen. Sicherheit nach dem Prinzip Hoffnung: Das ist bei einer Doppeltrasse, auf der vom Flüssigdruckgaswagon bis zum LKW mit radioaktivem Material alles transportiert wird und in deren Nachbarschaft zehntausende Menschen leben und arbeiten nicht akzeptabel!

5. „Die Alte Trasse ist gefährlich weil sie zu schmal ist.“ Dieses Argument der Befürworter ist schlicht falsch. Herr Em. O. Univ. Prof. DI Dr. techn. Hermann Knoflacher hat in seinem Gutachten zur neuen Doppeltrasse bestätigt, dass die bisherige schmalere Alt-Trasse weniger Unfälle hat als bei der “neuen Doppeltrasse” zu erwarten sind und weniger als der Durchschnitt der Autobahnen. Eine sichere alte Trasse gegen eine unsichere neue Doppeltrasse zu ersetzen, ist nicht akzeptabel!

6. „Die Verlegung überwindet die Teilung Wilhelmsburgs.“ Dieses Märchen wird gerne erzählt und von denen geglaubt, die sich keine 130 Meter breite Doppeltrasse mit Lärmschutzwänden, so hoch wie die Chinesische Mauer, vorstellen können. Es gibt weniger benutzbare Übergänge. Fakt ist: Der Wilhelmsburger Osten wird vom Rest Wilhelmsburgs abgehängt und die Zerschneidung Wilhelmsburgs in Beton und Asphalt gegossen. Das ist falsch und nicht akzeptabel!

7. Die neue Doppeltrasse löst Verkehrsprobleme in Wilhelmsburg. Die Polizei Wilhelmsburg bewertete in ihrer Stellungnahme die Ausfahrt Wilhelmsburg Mitte an der Rotenhäuserstraße als überwiegend nachteilig und fand in der mündlichen Anhörung erheblich deutlichere Worte. In der Tat ist diese Anschlussstelle falsch platziert und führt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen und zu einer nachgewiesenen Mehrbelastung in Wohngebieten und an Schulen, Seniorenheimen usw. Das ist für eine Neuplanung nicht akzeptabel!

8. Schneller ankommen, wird durch die neue Reichsstraße niemand. Der rechnerische Zeitgewinn von 30 Sekunden ist spätestens an der nächsten Ampel aufgebraucht. Über 100 Mio. Euro für 30 Sekunden Zeitgewinn auszugeben ist eine grobe Verschwendung von Steuergeldern und nicht akzeptabel!

9. „Die neue Doppeltrasse kostet genau so viel wie die Sanierung der alten Trasse.“ Mit diesem denkwürdigen Satz „verkaufte“ die damalige Senatorin die Planungen dem Parlament und den Wilhelmsburgern. Heute wissen wir, dass zu den zur Sanierung notwendigen 67,4 Mio Euro noch einmal mindestens die doppelte Summe hinzukommt. Der Bundesminister für Verkehr Dr. Peter Ramsauer sprach sich aufgrund einer milliardenschweren Finanzierungslücke dafür aus, dass im Verkehrsbereich der Erhalt vor dem Neubau Priorität haben solle. Diese unsinnige Neubau ist nicht akzeptabel!

10. Kohlendioxid und Wasserdampf wären die optimalen Verbrennungsprodukte, solange sie in verträglichen Konzentrationen ausgestoßen werden. Dies kann durch intelligente und effiziente Verkehrssysteme unterstützt werden. Pendlerverkehre, ebenso wie unnötige Transportverkehre, bewirken das genaue Gegenteil. Der Ausbau und die Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs sowie die effektive Gestaltung von Warenverkehr müssen angestrebt werden. Eine Planung, die dem entgegengerichtet ist, ist heutzutage nicht akzeptabel!

FAZIT: Verkehr ist kein Selbstzweck! Wenn Hamburg als wachsende Stadt nicht den längst überfälligen Schritt der Abkehr von einer durch den Glauben an eine autogerechte Stadt getragenen Verkehrspolitik vollzieht, wird Hamburg weder seine jetzigen noch zukünftige Verkehrsprobleme meistern können. Gerade Hamburg als Überseehafenstadt muss die Organisation seiner Verkehre endlich konsequent analysieren und gestalten. Dazu gehört die Erarbeitung eines Verkehrsentwicklungs-planes genauso, wie wirksame Maßnahmen zur Förderung und Erhaltung von Lebensqualität in Wohngebieten und zwar in allen Stadtteilen. Schon aus globalen Klimaschutzgründen muss der motorisierte Individualverkehr seine dominierende Rolle verlieren und durch klimaneutrale und klimaverträglichere Verkehre ersetzt werden. Hier in Wilhelmsburg versucht der Senat mit einer Verkehrspolitik aus den 1950iger Jahren die Verkehrsprobleme Hamburgs und des Hafens zu lösen. Dies kann und wird nicht funktionieren. Für die Verhinderung solcher Projekte wie die Autobahn B4/75 (Reichsstraße) und die Autobahn A26 (Hafenquerspange) kämpfen wir, ebenso wie für eine intelligentere Verkehrs- und Mobilitätspolitik.